Pflanzenwelt (Flora)

Wer den Nationalpark Hohe Tauern besucht wird nicht nur von der Großartigkeit der Gebirgslandschaft begeistert sein, sondern auch von der Vielfalt der Flora, der er beim Durchwandern der verschiedenen Höhenstufen begegnet. Wie in einem großen botanischen Garten präsentieren sich die schönsten Alpenblumen.
Im Laufe der Evolution haben sich an den Pflanzen charakteristischer Merkmale ausgebildet, die es ihr erlauben, bestimmte Lebensräume zu besiedeln. Pflanzen mit ähnlichen ökologischen Ansprüchen finden sich zusammen und bilden Gesellschaften. In erster Linie sind es Klima und Bodenfaktoren, welche die Pflanzenzusammensetzung beeinflussen, aber auch historische Komponenten sind von Bedeutung: Während der Eiszeiten wurden ein Großteil der alteingesessenen Flora vernichtet bzw. auf die eisfreien Randgebiete im Norden und Süden verdrängt. Nur einige Arten überdauerten an den aus dem Eis herausragenden Bergspitzen. Durch die Isolation entstanden auf diese Wiese eigenständige Sippen (Endemiten). Nach Rückzug des Eises wanderten Pflanzen aus den verschiedensten Gebieten unterschiedlich rasch zu. Alle Pflanzen gemeinsam ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Störungen von außen. Da sie nicht wie Tiere ausweichen können, müssen Sie mit den Veränderungen fertig werden oder sterben. Die Situation wird im Hochgebirge verschärft, wo jede Pflanze verzweifelt um ihre Existenz ringt. Der Verlust eines einzigen Blattes kann dabei schon über Leben und Tod entscheiden.
1.800 Pflanzenarten sind im Nationalpark Hohe Tauern zu bewundern. Dank der vier Höhenstufen und der damit einhergehenden klimatisch unterschiedlichsten Bedingungen.

Einige botanische Highlights des Nationalparks Hohe Tauern

Edelweiß (Leontopodium nivale subsp. Alpinum)

Das Edelweiß kam aus den asiatischen Steppengebieten zu uns und wurde zum Wahrzeichen vieler Bergsteigervereinigungen. Die knopfartigen Blütenköpfchen werden sternartig von weißfilzigen, zungenförmigen Hochblättern umgeben. Das Edelweiß liebt sonnige, kalkreiche Rasenhänge, wächst aber auch in Felsspalten. Eigentlich sieht das Edelweiß rein optisch gar nicht so besonders auffällig aus, außer dass es eben eine weitere äußerst schöne Pflanze der Mutter Natur ist. Dennoch ist es vom Aussterben bedroht (gewesen), zierten sich doch über Jahrhunderte die Bewohner der alpinen Gegenden mit dem Edelweiß. So findet man die Blüte auf Jacken, Mützen, Hosen, Uniformen... Hinzu kam dann noch die Werbeindustrie, die das Edelweiß als Markenzeichen für die Alpen hernahm. Kurz gesagt: Jeder kennt das Edelweiß.
Die Pflanze ist überall gänzlich geschützt.

Rost-Alpenrose (Rhodedendron ferrugineum)

Dieser über 1 m hohe buschige Strauch hat wintergrüne, hartlaubige Blätter. Sie sind oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits mit rostbraunen Schuppen besetzt. Die leuchtend roten Blütenglocken blühen je nach Höhenlage zwischen Mai und Anfang Juli. Die Alpenrose kommt meist im Bereich der Waldgrenze und darüber (bis 2.300 m) auf humusreichen, sauren Böden vor.
Die Wimper-Alpenrose ist nahe verwandt, sie bevorzugt jedoch Kalkböden. Ihre Blätter sind im Unterschied zur Rost-Alpenrose flach, beiderseits grün mit abstehenden Wimpern. Beide Alpenrosenarten werden im Volksmund „Almrausch“ genannt.

Enziane (Genitana)

Jeder meint sie zu kennen. Doch kaum einer weiß, dass die Enziane zur Familie der Enziangewächse gehören und die Gattung 300 – 400 Arten umfasst. Alle Enzianarten stehen unter Naturschutz. Wer bei uns an Enzian denkt kennt wohl folgende, blau bis blitzblau blühende Arten:

Bayrischer Enzian (Genitana bavarica)
Seine dunkelblauen Blüten erheben sich bis zu 20 cm über den Boden und schmücken feuchte Weiden und Matten.
Frühlings-Enzian (Genitana-verna). Im Volksmund Schusternagl genannt. Normalerweise erreicht die Pflanze eine Wuchshöhe von wenigen Zentimetern und nur unter besonders günstigen Umständen wächst sie bis auf 15 cm heran. Die Krone weist einen Durchmesser von etwa 20 bis 30 mm auf. Die fünf tief azurblauen, tellerförmigen Kronblätter sind eirund. Die Grundblätter bilden eine Rosette. Die Blütezeit liegt zwischen März und August.

Echter Alpen Enzian (Genitana clusii) und Kochscher Enzian (Genitana acaulis)
Die beiden Glocken-Enzianarten sind sich sehr ähnlich. Der Kochsche Enzian unterscheidet sich vom Clusius-Enzian jedoch eindeutig dadurch, dass er breitere Rosettenblätter und stumpfe Buchten zwischen den Kelchblättern hat und die azurblaue Blütenglocke am Schlund in der Regel mit fünf grünen Flecken versehen ist. Durch das Fehlen dieser Flecken wirkt der Clusius-Enzian intensiver blau. Die beiden Arten sind in ihrem Vorkommen weitgehend überschneidungsfrei, da Gentiana acaulis eine kalkmeidende Art ist und Gentiana clusii nur auf Kalk vorkommt.

Besonderheit: Rudolphi-Steinbrech (Saxifraga rudolphiana)

Ähnlich dem Gegenblatt-Steinbrech bildet der Rudolph-Steinbrech kompakte Polster, nur noch etwas dichter und härter. Die winzigen Blätter sind an der Spitze zurückgebogen und weisen Kalkablagerungen auf. Die Blüten leuchten Purpurrot. Hochalpin gelegene Felsen und Schutt, vorwiegend aus Kalkglimmerschiefer, sind die Standorte dieses seltenen Steinbrechs. Blütezeit von April bis Juli.

Besonderheit: Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis)

Es sind vielfältige Anpassungen, die es dieser Pflanze ermöglichen, noch im Bereich der höchsten Gipfel zu überleben: Der Wurzelstock ist zwiebelartig verdickt, die Blätter sind fleischig-glänzend, die Knospen können bei Bedarf wieder abgebaut werden. Blüht die Pflanze, so schmücken ihre weißen, außen rosa bis tiefrot gefärbten Blütenblätter die kargen Schutthalden und Felsspalten. (Höhenlage von 2.400 bis über 4.200 m!)

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