Bartgeier – Wiedereinbürgerung und Monitoring

Bei der im November 2011 alpenweiten Bartgeier-Koordinierungssitzung in Mallnitz wurde basierend auf eine Schweizer Studie der Beschluss gefasst, dass in den Alpen weiterhin nochFreilassungen erfolgen sollen, um einerseits die genetische Variabilität der Alpenpopulation zustärken und eine Verbindung der jeweiligen Subpopulationen zu einer Metapopulation zu schaffen.

 

1. Projektbeschreibung

Das Projekt der Wiedereinbürgerung der Bartgeier startete im Jahre 1986 mit der ersten Freilassung im Krumltal/Nationalpark Hohe Tauern. Bei Beginn (2012) des gegenständlichen Förderprojektes Periode 2012 - 2014 liegt der Stand der alpenweiten Freilassungen bei 179 Junggeiern. Das Projekt entwickelte sich bisher alpenweit sehr erfreulich und es sind in freier Wildbahn bereits 83 Jungvögel erfolgreich ausgeflogen (Stand 2012). Im gesamten Alpenbogen kann man derzeit von einem  Bestand von rd. 170 Bartgeiern auszugehen.
 
Bei der im November 2011 alpenweiten Bartgeier-Koordinierungssitzung in Mallnitz wurde basierend auf eine Schweizer Studie der Beschluss gefasst, dass in den Alpen weiterhin noch Freilassungen erfolgen sollen, um einerseits die genetische Variabilität der Alpenpopulation zu stärken und eine Verbindung der jeweiligen Subpopulationen zu einer Metapopulation zu schaffen. Für die Hohen Tauern wurde von Geierexperten empfohlen, dass zur Absicherung der sich hier entwickelnden Subpopulation bis zum Vorhandensein von drei reproduzierenden Brutpaaren weiterhin junge Bartgeier mit genetisch seltenen Linien freigelassen werden sollen.

Damit wird die Österreichische Teilpopulation noch gefestigt, die alpenweite Population gestärkt und anderseits die genetische Variabilität der Alpenpopulation erhöht.

2. Zielsetzungen des Projektes

  • Etablierung einer ohne menschliche Hilfe überlebenden Bartgeierpopulation in Österreich und in den Alpen
  • Freilassungen im Nationalpark Hohe Tauern bis zur Etablierung von drei reproduzierenden Brutpaaren
  • Einsatz solarbetriebener Satellitentelemetrie zur lückenhaften Nachvollziehung der Wanderungen der freigelassenen Junggeier
  • Nationales Monitoring: Koordinierung und Leitung des nationalen Bartgeiermonitorings
  • Horstmonitoring: Überwachung, Kontrolle der Brutpaare in freier Wildbahn
  • Internationales Monitoring (IBM): Koordinierung und Leitung des alpenweiten Bartgeiermonitorings
  • Genetisches Monitoring: Analysen zur Bestimmung der jeweiligen genetischen Linien
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bildung: laufende Betreuung der freiwilligen Bartgeier-Beobachter sowie spezieller Zielgruppen wie Jäger, Bergsteiger etc., Vorträge, Pressearbeit, Herausgabe Bartgeier-News und Newsletter, Neuauflage der Broschüre "Könige der Lüfte" vorgesehen

3. Weiterführende Links:

Österreichisches Bartgeiermonitoring

Bartgeier Online

Bartgeier International

 

4. Geschichte

Der Bartgeier war einst in fast allen Gebirgen Südeuropas und in den Alpen verbreitet. Wohl kaum ein Greifvogel beeindruckte die Menschen so nachhaltig, wie zahlreiche Fabeln und Legenden zeigen. Der friedliche Bartgeier wurde alsblutrünstige Bestie dargestellt, welche sogar vor Kindesraub nicht zurückschreckte. Dem Bartgeierwurde zu Unrecht auch das Töten von Gämsen und der Raub von Lämmern zugeschrieben, was auch zu seinem volkstümlichen Namen „Gambsgeier“ und „Lämmergeier“ führte. Die Bezahlung von Fang- und Schussgeldern führte dazu, dass die Tiere auf jede nur mögliche Art und  Weise verfolgt wurden. Weitere Gründe für den Rückgang und die teilweise Ausrottung der Bestände war der Einsatz von Giftködern, der Abschuss im Auftrag von zoologischen Sammlungen undin einigen Gebieten ein Versiegen der Nahrungsquellen. In den Alpen wurde der Bartgeier im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Am längsten überlebte er noch in den Westalpen, wobei die letzte nachgewiesene Brut aus dem Jahre 1910 belegt ist. In Europa überlebten Bartgeier nur in den Pyrenäen, auf Korsika und in Kreta sowie in wenigen Exemplaren auf dem griechischen Festland. Die Bestände sind dort überall stark gefährdet.

Nach mühevoller und langwieriger Suche von geeignetem Zuchtmaterial ist es dem Alpenzoo Innsbruck gelungen die ersten Bartgeier mit Hilfe eines Ammenvogels in einer Voliere aufzuziehen. Aufgrund regelmäßiger Zuchterfolge konnte dann im Jahre 1978 mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, des WWF Österreich und Schweiz sowie der IUCN das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet und die wichtigsten Richtlinien und Ziele des Projektes festgelegt werden. Als oberstes Ziel gilt die Etablierung eines ohne menschliche Hilfe überlebenden Bestandes. Auf Wildfänge wird im Projekt gänzlich verzichtet, um bestehende Populationen nicht zu gefährden. Nur Tiere aus zoologischen Gärten und verletzte Tiere aus dem Freiland, deren Freilassung nicht mehr möglich ist, werden in das Zuchtprogramm integriert. Für die Freilassung werden ebenfalls nur in Volieren geborene Jungvögel verwendet werden. Bis 1986 dauerte der Aufbau eines Zuchtnetzes unter Beteiligung von rund 30 Tiergärten und der zentralen "Richard Faust Bartgeier-Zuchtstation" Haringsee.

Eine internationale Expertenkommission wählte im Alpenraum vier gleich weit voneinander entfernte Freilassungsorte aus. Nach dieser Freilandstudie wurden erstmals 1986 im Krumltal/Rauris im Salzburger Anteil des Nationalparks Hohe Tauern vier junge Bartgeier freigelassen. Dieser Freilassung folgten weitere Freilassungen: seit 1987 in Bargy/Hochsavoyen (F), seit 1991 im Schweizer Nationalpark, seit 1993im Nationalpark Mercantour (F) und im Naturpark Alpi Marittime(I) sowie seit 2000 im Nationalpark Stilfser Joch (I). In den letzten Jahren kamen noch neue Freilassungsplätze in der Calfeisental (CH) und im Naturpark Vercors (F) hinzu.

 

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