Nationalpark Hohe Tauern

Biodiversitätsforschung


Artenvielfalt


 

Die Biodiversität unseres Schutzgebietes flächendeckend zu erfassen ist eine unserer Forschungsschwerpunkte. Die Kenntnisse über Gebiet, Schutzinhalte und Vielfalt der Lebewesen werden systematisch und mit Beharrlichkeit laufend erweitert. Biodiversitätsforschung dient für uns dazu die Verbreitung naturschutzrelevanter Arten (Rote Liste, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Vogelschutzrichtlinie) und ihre aktuelle Gefährdungssituation (Vergleich früher/aktueller Daten) genauestens zu untersuchen. Dadurch ist eine laufende Inventur und Bilanz der Artenvielfalt als Naturkapital des Nationalparks Hohe Tauern möglich.


Rückblick 14. Tag der Artenvielfalt

Wissenschaft zur Biodiversität im Umbaltal

Knapp 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diverser Fachrichtungen von Flora und Fauna - vom Käferexperten, Schmetterlingsexperten bis hin zu Gefäßpflanzenexperten und Orchideenspezialisten untersuchten vom 17. - 19. Juli 2020 das Umbaltal mit seinen Seitentälern, in Prägraten in Osttirol auf bekannte, neue und interessante Arten. Das Tal ist vor allem für die Umbalwasserfälle und dem taleinwärts liegenden Iselursprung am Umbalgletscher bekannt. An den Umbalfällen führt ein Wasserschaupfad mit imposanten Tiefblicken entlang.

 

 Datenbank

Alle Funde der Expertinnen und Experten fließen in die Biodiversitäts-Datenbank des Nationalparks Hohe Tauern ein und dienen nach Auswertung dem Nationalparkmanagement als Entscheidungsgrundlage für Projekte.

 

 Besonderheiten

Es gab unter den Funden auch einige botanische Besonderheiten wie den Nordischen Drachenkopf (Dracocephalum ruyschiana), der für den Nationalpark Hohe Tauern einen Erstnachweis darstellt.

Aus dem Reich der Schmetterlinge ist der Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion) ein interessanter Fund. Seine Raupen futtern erst Thymian und Majoran, müssen bald aber von ganz bestimmten Ameisen in ihren Bau getragen werden. Dort schmarotzen die Raupen bis zur Metamorphose und ernähren sich von der Ameisenbrut. Diese Art gehört zu den geschützten FFH-Arten (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der EU).

 

  Arten- und Lebensraumvielfalt im Umbaltal

Es wurden am Tag der Artenvielfalt annähernd 400 Pflanzenarten gefunden, 15 Hummelarten und 70 Nachtfalterarten! Die Nachtfalter wurden mit Lichtfallen in der Nacht angelockt und untersucht. Außerdem wurden auch Fledermäuse mit akkustischen Geräten verhört und bestimmt, Weichtiere wie Schnecken, Amphibien, Flechten und Farne - eine große Bandbreite an Leben!

Auch an diesem Tag war die Artenvielfalt erstaunlich und zeigt wieder auf, wie wertvoll unberührte Gebirgslebensräume im Waldgrenz- und subalpinen Bereich sind. Die extensive Bewirtschaftung der steilen Bergwiesen und Weiden, manchmal bestockt mit nur wenigen Schafen, ist sehr förderlich für die Vielfalt, die in Talräumen längst verloren gegangen ist. Aber auch entlang des Wasserschaupfads an der Isel sind zahlreiche, abwechslungsreiche Kleinlebensräume mit hoher Artenvielfalt anzutreffen.

 Als Audiobeitrag (mp3)

 

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mp3TAV2020Radio-Osttirol_V1_20200721.mp32.36 MB

Dieser Radiobeitrag wurde produziert von: Radio Osttirol
   

TAV 2020 smallcNPHT Hechenblaickner

 

Weitere Informationen zum 14. Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern:

 

Hinweis Bilder:

Bild oben, Teilnehmende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Organisatorinnen und Organisatoren, ©NPHT Hechenblaickner

Pflanzen- und Umgebungsbilder rechts (1+2+3) und Hintergrund, ©NPHT Hechenblaickner

Pflanzen Makroaufnahme links Dracocephalum: ©Michaela Sonnleitner | rechts Jovibarba: ©Oliver Stöhr

 


Biodiversitätsdatenbank

Eine langjährige Kooperation zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern und dem Haus der Natur Salzburg gewährleistet bereits seit 2001 eine umfassende Dokumentation aller verfügbaren Informationen zur Biodiversität. In der Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks werden Daten zu Vorkommen, Verbreitung, Ökologie und Gefährdung der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten für die Hohen Tauern gezielt zusammengetragen, standardisiert, zentral verwaltet, ausgewertet und bereitgestellt. Wie auch die Buchhaltung eines Unternehmens kann die Führung eines Biodiversitätsinventars zu den Schutzgütern nie abgeschlossen sein. Sie ist eine laufende, notwendige Arbeit zur Umsetzung von Kernaufgaben des Schutzgebietes. In den letzten 15 Jahren ist es auf diesem Wege gelungen, eine Wissensdatenbank mit mehr als 350.000 Datensätzen zu schaffen.

Auf Basis dieser Datenbank werden zahlreiche naturschutzrelevante Tätigkeiten (Durchführung spezifischer Forschungsprojekte, Erkennung naturschutzfachlich besonders wertvoller Schwerpunkte, Erstellung von Gutachten, Monitoring) beträchtlich erleichtert. Ein wesentlicher Teil des Erfolges ist die laufende Ergänzung und entsprechende Betreuung der Datenbank, womit die Aktualität und Qualität gewährleistet werden kann.

 

Weiterführende Links:


Projektberichte/Infos
Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern

 

Broschüre
Vielfältiges Leben - Biodiversität in den Hohen Tauern


Tage der Artenvielfalt


Seit 2007 finden die Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern statt. Alljährlich markieren sie ein Highlight in der Forschungslandschaft der Biodiversität. An zwei Aufnahmetagen im Hochsommer begeben sich rund 70 bis 90 Experten aus unterschiedlichen Disziplinen auf die Suche, um die Tier- und Pflanzenwelt des NPHT ehrenamtlich zu erfassen. Im Durchschnitt werden bei einem Tag der Artenvielfalt 4.200 Datensätze zu 1.500 Arten gemeldet. Die Meldungen belegen die wichtige Rolle des Nationalparks Hohe Tauern als Refugium für seltene und teilweise extrem gefährdete Arten.

Die Tage der Artenvielfalt sind als zeitliche und räumliche Schwerpunktuntersuchungen gerade in einem Großschutzgebiet eine gute Methode, die Artenvielfalt systematisch zu erheben. Der interdisziplinäre Charakter dieser Fachveranstaltung ermöglicht es, nicht nur die traditionell gut untersuchten Organismengruppen sondern auch die weniger beachteten Gruppen zu berücksichtigen. Bei kaum einem anderen Ereignis lässt sich die Freude am Entdecken mit dem nützlichen Sammeln von naturschutzrelevanten Daten so hervorragend verknüpfen. Bisher konnten über die Tage der Artenvielfalt rund 43.000 Datensätze gesammelt werden.

 

Weiterführende Links:

 

Die Ergebnisse aus den Tagen der Artenvielfalt werden in Berichten zusammengefasst und können unter folgen Link abgerufen werden:

Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern