Nationalpark Hohe Tauern

15. Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern


16. bis 18. Juli 2021 – Nationalpark-Gebiet im oberen Murtal, Gemeinde Muhr im Lungau

 

Informationen und Anmeldung für wissenschaftliche Expert/-innen

 

 

 
 

Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.

Anmeldeschluss: Mittwoch, 19. Mai 2021

 

Vom 16. bis 18. Juli 2021 steht der Nationalpark Hohe Tauern wieder ganz im Zeichen der Artenvielfalt. Wir möchten Sie daher herzlich einladen, beim 15. Nationalpark Hohe Tauern Tag der Artenvielfalt als Expertin und Experte aktiv mitzuwirken.

Die Tage der Artenvielfalt finden im jährlichen Wechsel zwischen den drei Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol statt. Im Jahr 2021 soll der Nationalpark-Anteil des oberen Murtales in der Nationalpark-Gemeinde Muhr im Lungau hinsichtlich seiner Artenvielfalt erhoben werden und wird daher in Zusammenarbeit mit der Salzburger Nationalpark-Verwaltung organisiert.

Wir hoffen auch heuer wieder auf Ihre Hilfe, um dieses Vorhaben erfolgreich verwirklichen zu können.

Seit 2007 finden die Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern statt und das überaus erfolgreich. Bisher konnten rund 52.000 Datensätze gesammelt werden, das sind rund 11 % des Gesamtdatenbestandes der Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern. Dieses ständig wachsende Wissen ermöglicht es, die Bedeutung des Nationalparks Hohe Tauern für die Österreich- und alpenweite Fauna und Flora wissenschaftlich zu belegen.

 

Datenerhebung

Die Datenerfassung am Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern erfolgt primär über die Beobachtungsplattform Observation.org. Observation.org ist die größte Naturbeobachtungsplattform Europas mit Sitz in den Niederlanden und ermöglicht die weltweite Erfassung von Tieren, Pflanzen und Pilzen via Webseite oder direkt im Gelände mittels Smartphone Apps.

Alle den Nationalpark betreffenden Daten, die mit Observation erfasst werden, werden von den jeweiligen Experten am Haus der Natur validiert und in die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur zur weiteren Verwendung im Zusammenhang mit Naturschutz und Forschung übernommen. Die Beobachtungen sind auf Observation prinzipiell öffentlich zugänglich, können jedoch bei Bedarf selbst vom Beobachter versteckt oder mit einem zeitlichen Embargo versehen werden.

Bitte registrieren Sie sich schon vorab auf https://observation.org und installieren Sie die dazugehörige Smartphone-App für eine Datenerfassung im Gelände:

  • - ObsMapp für Android
  • - iObs für iPhone

Die Beobachtungen können auch im Nachhinein über die Webseite eingegeben, geändert oder ergänzt werden. Einen Überblick über den aktuellen Observation-Datenstand im Nationalpark Hohe Tauern erhalten Sie hier.

Auf der Observation.org Bioblitz-Seite erhält man einen live Überblick zu den beobachteten Arten von den diesjährigen Tagen der Artenvielfalt: https://observation.org/bioblitz/npht-tage-der-artenvielfalt-2021/

Bei Fragen zur Datenerfassung mittels Observation melden Sie sich bei peter.kaufmann[at]hausdernatur.at.

Dateneingabe optional über Excel: 

xlsxDateneingabe_TAV2021.xlsx

ABOL-BioBlitz im Nationalpark Hohe Tauern

Auch in diesem Jahr wird sich die Initiative "The Austrian Barcode of Life" (ABOL) wieder mit einem BioBlitz an den Tagen der Artenvielfalt beteiligen. Auf diesem Wege konnten bisher zahlreiche Proben gesammelt werden, die zum Aufbau eines genetischen Bestimmungsbuchs der österreichischen Biodiversität beitragen. Bei Interesse melden Sie sich bitte vorab bei Sabine.Schoder[at]nhm-wien.ac.at.

pdfbioblitz-folder_digital.pdf

Artenliste: 

xlsxUntersuchungsgebiet_TAV2021_Artenlisten_vor_TAV2021.xlsx

Übersichtskarten zum Untersuchungsgebiet:

jpgUntersuchungsgebiet_TAV2021_Uebersichtskarte_Basemap.jpg

pngUntersuchungsgebiet_TAV2021_Uebersichtskarte_OeK_NP-Zonen.png

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Lage Untersuchungsgebiet

Das Murtal im Salzburger Lungau befindet sich an der Südostabdachung der Hohen Tauern im Übergangsbereich zu den Niederen Tauern. Dabei bilden das Tal und dessen namensgebender Fluss die Grenze zwischen zwei Gebirgsgruppen: der zu den Hohen Tauern gehörenden Ankogelgruppe im Südwesten sowie den zu den Niederen Tauern gehörenden Radstädter Tauern im Nordosten. Im Westen wird das obere Murtal durch das Großarltal begrenzt. Die südliche Grenze bildet das obere Maltatal. Das Riedingtal und das Zederhaustal aus den Radstädter Tauern bilden die nördliche und nordöstliche Grenze. Die Ankogelgruppe, erstreckt sich Bundesländer übergreifend auf Salzburg im Norden sowie Kärnten im Süden. Insgesamt gehören zur Ankogelgruppe 26 Dreitausender.

Das Untersuchungsgebiet des 15. Tages der Artenvielfalt umfasst den Nationalparkanteil des oberen Murtales und beschränkt sich damit auf die höchstgelegenen, westlichen Bereiche, welche einerseits durch den Murursprung sowie andererseits durch die markanten Karseen – Oberer und Unterer Schwarzsee, Karwassersee und Oberer Rotgüldensee – charakterisiert sind.

Geologie

Das obere Murtal mit der Hafnergruppe gehört zum Tauernfenster (Pennin). Nördlich daran schließen die Radstädter Decken an. Aufgrund der geologischen Einheiten kommen im oberen Murtal zahlreiche verschiedene Gesteine vor, wie z.B. Kalke, Dolomite, Kalkglimmerschiefer, Amphibolite, Phyllite, Gneise oder Quarzite. Auch für seinen Mineralienreichtum ist dieses Gebiet bekannt: in der Nordabdachung der Hafnergruppe treten alpine Kluftminerale auf, wie z.B. Bergkristall, Rutil, Feldspat oder Anastas. In Rotgülden befand sich einst der größte Arsenabbau der österreichisch-ungarischen Monarchie. Vom Mittelalter an bis 1884 wurden mit stark schwankender Schürfleistung viele Tonnen Arsenik erzeugt und nach Deutschland, Italien und sogar bis Kleinasien exportiert.

Nationalpark Hohe Tauern

Seit einer Schutzgebietserweiterung im Jahr 1991 gehören die westlichen Bereiche des oberen Murtals zum Salzburger Anteil des Nationalparks Hohe Tauern. Im Murtal nimmt der Nationalpark eine Fläche von ca. 1.665 ha ein, welche sich auf die 272 ha große Außenzone sowie die 1.393 ha große Kernzone verteilen. Der Murwinkel umfasst den Oberlauf der Mur, von welchem die beiden Nebentäler des Muritzentales und des Rotgüldentales abzweigen. Das Murtaler Nationalparkgebiet erstreckt sich in einer Höhenlage von rd. 1.845 m Seehöhe (nördl. Schmalzgrube) bis 3.076 m Seehöhe mit dem Großer Hafner, der höchsten Erhebung im Gebiet.

Gletscher und Gewässer

Im oberen Murtal finden sich die beiden einzigen Gletscherfragmente des Lungaues: an der Nordseite des Großen Hafners das Rotgülden Kees sowie am Nordabfall der Kölbreinspitze das Muritzen Kees. In der Schmalzgrube im innersten Abschnitt des Murtales entspringt auf 1.898 m Seehöhe die Mur als der zweitlängste Fluss Österreichs, deren Gesamtlänge bis zur Mündung in die Drau mit 465 km angegeben wird.

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Gebiet des Murursprungs (Fotos: P. Gros)

Karseen

Der Murwinkel weist einige sehr schöne, zum Teil vergleichsweise große und außergewöhnlich tiefe Karseen auf. Hervorzuheben sind der Karwassersee auf 1.895 m Seehöhe, der Untere und Obere Schwarzsee auf 2.221 m bzw. 2.339 m Seehöhe sowie der Obere Rotgüldensee auf 1.997 m Seehöhe.

Der Karwassersee im Talschluss des Muritzentales zählt zu den schönsten Seen im gesamten Nationalpark. Im Südwesten weist dieser nährstoffarme See einen ausgedehnten Verlandungsbereich auf. U.a. kommen hier Horst-Haarbinse, Schwarze Segge, Jacquins Binse, Schnabelsegge, verschiedene Wollgrasarten, Torfmoose, Kronlattich, Hainsimse, Fadenförmige Segge und in Flachwasserbereichen auch der Flussschachtelhalm vor. Das übrige Ufer ist abwechslungsreich: zum Teil reichen Latschen bis ans Wasser, am Ostufer stockt lichter Lärchen-Fichten-Zirbenwald mit Rostroter Alpenrose und Heidelbeere im Unterwuchs, dazwischen finden sich Blockschuttfluren mit Hochstaudenelementen.

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Karwassersee (Fotos: P. Gros)

Die beiden Schwarzseen liegen westlich oberhalb des Karwassersees in zwei übereinander gestaffelten Hochkaren. Ihre schwärzliche Farbe ist namensgebend. Bemerkenswert ist, dass der Untere Schwarzsee eine max. Tiefe von 56,7 m sowie eine Fläche von über 20 ha aufweist. Der Obere Schwarzsee erreicht knappe 23 m Tiefe und weist ein einst anthropogen bedingtes Vorkommen des sogenannten Schwarzreuters, eine „Kümmerform“ des Seesaiblings auf. Die Ufer dieser Karseen werden v.a. von Blockschuttfluren gesäumt.

Im Gegensatz zum künstlich aufgestauten Unteren Rotgüldensee ist der Obere Rotgüldensee ein natürlicher nährstoffarmer Hochgebirgssee mit einem ausgedehnten Verlandungsdelta – u.a. mit Scheuchzers Wollgras – in eindrucksvoller Lage am Nordfuß des Großen Hafners. Er wird zum Teil von lichten Zirben- und Lärchenwald umstanden. Das Ufer bilden Schutthalden und Verlandungszonen, wodurch es zu einer Verzahnung unterschiedlicher Pflanzengesellschaften kommt.

Vegetation und Tierwelt

Das relativ kontinentale Klima des Lungaues bewirkt, dass u.a. Laubwälder fehlen, mit Ausnahme von bachbegleitenden Grauerlenbeständen. Die untere subalpine Stufe bilden Fichtenwälder, nach oben hin mischen sich verstärkt Lärchen und auch Zirben darunter. Die Waldgrenze liegt bei knapp 2.000 m Seehöhe und wird i.d.R. von Lärchen-Zirbenwäldern mit der Rostroten Alpenrose im Unterwuchs gebildet. Bedingt durch den Wechsel zwischen silikat- und kalkhältigen Gesteinen weist das innere Murtal eine sehr abwechslungsreiche Flora mit großer Artenvielfalt auf. Insbesondere die trocken-warmen südexponierten Hänge weisen viele wärmeliebende Arten auf. Bei den Wirbeltieren sind diesbezüglich die Felsenschwalbe oder der Alpensegler bemerkenswert.

Verteilt auf alle drei Täler (Mur-, Muritzen- und Rotgüldental) finden sich im Untersuchungsgebiet insgesamt elf kartierte Moorbereiche. Dabei sind v.a. die Moorflächen an der Süd- und Westseite des Oberen Rotgüldensees hervorzuheben, welche ein interessantes Mosaik aus mehreren Pflanzengesellschaften (Caricetum rostratae, Salicetum helveticae u.a.) darstellen. Im benachbarten Muritzental finden sich südlich und nördlich des Karwassersees weitere Moorflächen. Die Niedermoorflächen am Südufer des Sees erstrecken sich auf den ausgedehnten Verlandungsbereich überwiegend mit Amblystegio intermedii-Scirpetum austriaci. Nördlich des Karwassersees, an der orografisch rechten Seite des Muritzenbaches erstreckt sich ein Moorkomplex aus Übergangs- und Schwingrasenmooren, welcher sich zu einem vielteiligen Mosaik aus Quellfluren und anderen Pflanzengesellschaften zusammensetzt.

Im Roßkar, nördlich des Frauennocks (2.678 m Seehöhe) finden sich einige Feuchtgebiete, welche nach aktuellem Kenntnisstand die höchstgelegenen Torfbildungen im gesamten Nationalpark Hohe Tauern darstellen. In den auf bis zu 2.200 m Seehöhe gelegenen Feuchtgebieten findet sich u.a. ein Caricetum goodenowii, welches mit alpinen Arten „angereichert“ ist. Zwischen Murursprung und bis über die nördliche Nationalparkgrenze hinaus befindet sich ein Moorkomplex aus „Kalk-Silikat-Quellmooren“, in dem saure und basische Bereiche samt ihrer standort-typischen Zeigerarten eng miteinander verzahnt sind.

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Kärntner Gebirgsschrecke und Hochmoorbläuling aus dem Gebiet des Murursprungs (Fotos: P. Gros)

Insbesondere die Verlandungsbereiche der Seen bilden einen bedeutsamen Lebensraum für zahlreiche Tierarten, wie v.a. eine reiche Libellen- (z.B. Alpen-Smaragdlibelle, Alpen-Mosaikjungfer) und Amphibienfauna (z.B. Grasfrosch, Bergmolch, Alpensalamander). Hinsichtlich der Schmetterlingsfauna sind u.a. die verhältnismäßig individuenreichen Vorkommen des Hochmoorgelblings und des Hochmoorbläulings zu erwähnen, welche im Alpenvorland bereits größtenteils ausgestorben sind. Zudem sind die Vorkommen sogenannter Ostalpen-Endemiten mit stark eingeschränktem Gesamtareal hervorzuheben, wie z.B. der Schneeweiße Alpen-Wiesenspanner, der Weißpunktierte Mohrenfalters oder die Kärntner Gebirgsschrecke.

Für das Obere Murtal (Nationalpark-Anteil) sind in der Biodiversitätsdatenbank derzeit 3.720 Datensätze zu 1.107 verschiedene Taxa (Arten, Unterarten, Hybride, Varietäten) verzeichnet (Quelle: Biodiversitätsdaten­bank des Nationalparks Hohe Tauern, Stand 03/2021):

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Geschrieben von
Mathias Lehnert, Patrick Gros, Kristina Bauch

15.04.2021