Wer schon einmal das Glück hatte, die Alpengämse in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, weiß, dass zum Lebensraum dieser wildlebenden Huftierart (Schalenwild) nicht unbedingt die zugänglichsten Orte der Welt gehören. In hochgelegenen Regionen mit rauer Witterung und scheinbar kargem Nahrungsangebot finden viele andere Schalenwildarten kaum geeignete Bedingungen für ein langfristiges Überleben. Die Gams, wie sie im Alpenraum oft genannt wird, scheint sich in solch alpinen Hochlagen jedoch bestens zurechtzufinden. Als typische Wildart der Alpen und höhergelegenen Mittelgebirge Europas ist sie hervorragend an steiles Gelände, felsige Höhen und strenge Winter angepasst. Doch auch ihr Lebensraum ist im Wandel und stellt sie unentwegt vor neue Herausforderungen. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) bewertet zwar den Status der Gams europaweit als „nicht gefährdet“, dennoch gibt es Regionen in Europa, die in den vergangenen Jahrzehnten einen Rückgang der gezählten Gamsbestände verzeichneten.

Kamerafallen werden im Rahmen eines neuen Forschungsprojekts im Nationalpark Hohe Tauern Salzburg eingesetzt,
um wetterbedingte Einflüsse auf das Raum-Zeit-Verhalten und die Aktivität der Alpengämse zu untersuchen.
Ende 2024 markiert den Start eines neuen wissenschaftlichen Projekts des Nationalpark Hohe Tauern Salzburg in Kooperation mit der BOKU University.
Es wurden 57 Kamerafallen in den Nationalparkrevieren im Habach-, Obersulzbach- und Untersulzbachtal montiert. Diese Kamerafallen erlauben es, das Raum-Zeit-Verhalten sowie die Aktivität der Alpengämse in ihrem natürlichen Lebensraum störungsfrei zu untersuchen. Man spricht hierbei auch von einer nicht-invasiven Erhebungsmethodik. Zusätzlich zu diesen Kamerafallen, welche über einen Zeitraum von über einem Jahr Daten sammeln werden, wurden sechs mobile Wetterstationen installiert. Über eine Verschneidung der Kamerafallendaten und der Daten der Wetterstationen soll untersucht werden, wie wetterbedingte Faktoren das Raum-Zeit-Verhalten und die Aktivität der Alpengämse prägen. Der Fokus wird hierbei vor allem auf heißen, trockenen Bedingungen während der Sommermonate liegen, da diese für die Gams, als hitzeempfindliche Schalenwildart, als besonders problematisch angesehen werden.
Die Auswertungen haben begonnen …
Die Bilder der Kamerafallen und Messungen der Wetterstationen des ersten Erhebungszeitraumes wurden im September und Oktober 2025 eingeholt. Nach der Datensicherung wurden die Kamerafallendaten in einem zweiten Schritt mittels künstlicher Intelligenz/machine learning vorgefiltert und Leerbilder, sowie Bilder mit Personen aus dem Datensatz entfernt, um DSGVO-konform mit dem restlichen Datenmaterial weiterarbeiten zu können. In einem dritten Schritt wurden Bilder mit Tieren auf Artniveau, abermals mit Hilfe von künstlicher Intelligenz/machine learning bestimmt. Weiterführende Analysen, inklusive der Verschneidung der Kamerafallendaten mit den Daten der Wetterstationen werden in der ersten Hälfte 2026 mit Unterstützung von Studierenden der BOKU University durchgeführt.