Nationalpark Hohe Tauern

Technik trifft Natur:
2. Mallnitzer Tage standen im Zeichen des modernen Wildtiermonitorings


Innovationen im Wildtiermonitoring standen am 13. Mai im Fokus der 2. Mallnitzer Tage, die im Jahr 2019 aus der Kooperation der Veterinärmedizinischen Universität Wien, dem Land Kärnten und dem Nationalpark Hohe Tauern hervorgegangen waren.


Neue Technologien eröffnen zahlreiche Möglichkeiten, Veränderungen in Ökosystemen zu beobachten, und sind aus dem Naturschutzbereich nicht mehr wegzudenken. Die Optionen im Wildtiermonitoring reichen dabei weit über das bekannte GPS-Halsband hinaus. Expert*innen aus Wien und Kärnten vermittelten den Teilnehmer*innen der 2. Mallnitzer Tage aktuelle Hightech-Methoden zur Überwachung von Wildtieren und informierten über praktischen Einsatz sowie Auswirkungen der eingesetzten Technologien.

LH Peter Kaiser: „Es freut mich, dass unter Einsatz hochtechnologischer Innovationen ein Mehrwert zum Naturschutz im Nationalpark Hohe Tauern geleistet werden kann. Auf diesem Weg ist es möglich, Tier und Natur in Bezug auf den eintretenden Klimawandel bestmöglich zu beobachten und in Enkelverantwortung mit notwendigen Maßnahmen darauf zu reagieren.“

Neues Forschungsprojekt zum Heiligenbluter Gamswild

Den Auftakt der 2. Mallnitzer Tage bildete ein Vortrag von Dr. Gunther Gressmann und Ing. Markus Lackner zum Forschungsprojekt des Nationalparks Hohe Tauern betreffend Entwicklung und Zukunft des Heiligenbluter Gamswilds. Die Erkenntnisse dieser 2013 bis 2018 durchgeführten Untersuchungen sind die Basis für ein Folgeprojekt mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Gämsen in den Ostalpen noch besser zu verstehen. Anfang Mai habe man bereits die erste Gamsgeiß mit einem GPS-Sender versehen können, berichteten die beiden Experten.

Comebacks bei Eulen und Greifvögeln

Dr. Richard Zink berichtete in seinem Vortrag über die Erfolge, die in der Bestandsentwicklung von Eulen und Greifvögeln in Österreich verzeichnet werden können. Das sei nicht selbstverständlich, zumal die Tiere sehr sensibel auf Umweltgifte reagierten. Nach besonders intensivem Chemikalieneinsatz in den 1970er Jahren konnten sich die Bestände einiger Arten allerdings – teils aus eigener Kraft, teils durch gezielte Wiederansiedelung – wieder erholen. Die Österreichische Vogelwarte mit ihrer Feldstation in Seebarn trägt mit angewandter Forschung maßgeblich zum positiven Populationstrend der Artengruppe bei.

Spannendes zur Entwicklung der heimischen Vogelwelt

Ebenfalls der heimischen Vogelwelt widmete sich der dritte Vortrag des Tages: Dr. Ivan Maggini stellte das von der Österreichischen Vogelwarte seit 2016 koordinierte Monitoring-Programm, das enorm aussagekräftige Daten über die Veränderung der Populationsgröße und Produktivität verschiedener Arten liefert, sowie spannende Erkenntnisse aus dieser Tätigkeit vor. Die dazu durchgeführte individuelle Markierung (Beringung) der Vögel finde österreichweit statt und folge den Richtlinien, welche die Österreichische Vogelwarte für Monitoring-Programme für brütende, überwinternde und durchziehende Vögel erstellt habe, erläuterte der Experte.

Drohnen, Klimawandel und Gesundheit: Zukunftsthemen im Bereich Wildtiermonitoring

Dass die Zahl der „Drohnenpiloten“ stetig zunimmt, ist ein unübersehbarer Trend. DI Horst Leitner informierte im Rahmen seines Vortrags über die Auswirkungen, die diese Aktivitäten auf Wildtiere zeitigen.

Genetisches Monitoring von Wildtierpopulationen

Artenvielfalt erhöht die Resilienz. Angesichts der prognostizierten Klimaszenarien wird es immer wichtiger, gesunde und intakte Ökosysteme aufrecht zu erhalten, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abzuwenden. Aber was hat dies mit Genetik zu tun? Dr. Pamela Burger und Dr. Steve Smith beantworteten die Frage anhand eines Einblicks in das genetische Monitoring von Wildtieren. Die genetische Vielfalt zu messen und zu beobachten, ermögliche es schließlich, den Gesamtzustand von Arten, ihre genetische Variation und den Genfluss zwischen Populationen besser zu bewerten, um die Bewirtschaftung der biologischen Vielfalt und der natürlichen Ressourcen zu verbessern, erläuterten sie.

Gesundheitsüberwachung von Wildtieren mit Demonstration am Schautisch

Warum Gesundheitsüberwachung von freilebenden Wildtieren integraler Bestandteil des Konzepts zu einem umfassenden One-Health-System („Mensch-Tier-Umwelt“) ist, erklärte Dr. Christoph Beiglböck. Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) arbeite daher schon seit langer Zeit mit verschiedenen Partnern zusammen, um Daten zum Gesundheitsstatus von Wildtieren zu erfassen und zu bewerten. Anhand konkreter Beispiele stellte der Experte außerdem Grundlagen, Methoden und Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen vor.

Von Radiosendern bis zur Satellitentechnologie: moderne Methoden der Wildtiertelemetrie

Den Abschluss der Mallnitzer Tage bildete der gemeinsame Vortrag von Jessica Cornils, PhD und Dr. Ivan Maggini zur spannenden Entwicklung der Wildtiertelemetrie.

Otto Doblhoff-Dier, Vizerektor für Forschung und Internationale Beziehungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien: „Ich freue mich sehr, dass die Mallnitzer Tage nach einer corona-bedingten Pause heuer wieder stattfinden konnten: Sie sind ein wichtiger Baustein in unserer VetmedRegio-Initiative, in deren Rahmen wir die Expertise unserer Universität allen Interessierten österreichweit zur Verfügung stellen.“



Geschrieben von
Elfriede Oberdorfer-Wuggenig

13.05.2022
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