Nationalpark Hohe Tauern

Vergiftete Gänsegeier – ein Verbrechen an der Natur


Die Hohen Tauern sind das wichtigste Übersommerungsgebiet für Gänsegeier in den Ostalpen. Bereits im Frühling befliegen zahlreiche Vögel die Bereiche südlich der Hohen Tauern.

Nachdem Mitte April 2026 mehrere tote Gänsegeier in Osttirol und Kärnten entdeckt wurden, fand an den Veterinärmedizinischen Universitäten Wien und München eine umgehende Obduktion statt. Diese ergaben, dass 5 der 7 Gänsegeier an einer Carbofouran-Vergiftung verendet waren. Der Verkauf, Besitz und Einsatz des Insektizids, ist seit 2008 in der gesamten EU verboten! Das Ausbringen von derartigen Giften bildet einen schweren Eingriff in die Natur sowie eine schwere Form der Wildtierkriminalität. Da es sich um eine Straftat handelt, wurden die Landeskriminalämter involviert.

Illegale Tötungen von Greifvögeln und anderen geschützten Tierarten sind in Österreich keine Einzelfälle. Aus dem Bericht über die Wildtierkriminalität, erstellt durch BirdLife Austria und dem WWF, geht hervor, dass in Österreich zwischen 2017 und 2025 fast 400 Greifvögel Opfer von nachgewiesener oder vermuteter Wildtierkriminalität waren.

Das Vergiften von Gänsegeiern hat direkte Auswirkungen auf die sensiblen Ökosysteme der Hohen Tauern, da durch die sinkende Zahl von Aasfressern weniger Kadaver lokalisiert und entsorgt werden und somit die Gefahr der Krankheits- bzw. Seuchenausbreitung steigt. Geier-Arten bilden im Alpenraum mit Abstand die effektivsten Entsorger von Wild- und Nutztierkadavern – eine Effizienz, die durch den Menschen nicht erreicht werden kann!

Des Weiteren bildet das illegale Ausbringen von derartigen Giften eine extreme Gefährdung von Bartgeiern sowie der aus Südost- und Südwesteuropa einfliegenden Mönchsgeier aber auch vieler anderer Arten wie Steinadler, Fuchs oder Kolkrabe. Auch für Menschen ist dieses Gift bereit ins kleinsten Dosen extrem gefährlich.

 

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Geschrieben von
Matthias Lehnert

03.06.2026