Arten- und Lebensraumschutz ist ein zentrales Anliegen von Nationalparks weltweit. Oft als letzte Naturräume im dicht besiedelten Europa sind Nationalparks ein Rückzugsraum für Arten und bieten weiträumige Lebensräume, welche allerdings auch von Klimaveränderung und Umwelteinflüssen betroffen sind.
Grund für den Nationalpark Hohe Tauern sich 2026 im Rahmen einer 6 teiligen Blogreihe ausführlich mit der Thematik zu beschäftigen. Viele Leistungen der Natur bleiben im Alltag unsichtbar – bis sie fehlen. Und wir können nur schützen und achten, was wir verstehen und kennen.
Im Juli ist es im Nationalpark Hohe Tauern so, als ob die Natur wie ein Lichtschalter angeknipst wurde. Alles auf einmal: Ein buntes Blütenmeer mit summenden und kriechenden Insekten, das Wasser ist von den Gletschern satt gespeist und Murmeltiere, Steinwild, Steinadler und Gämsen kann ich bei ihrer täglichen Routine beobachten. Zwischen Enzian und Arnika summen Hummeln, Heuschrecken zirpen, und neben den Murmeltieren schwirren unzählige kleine Insekten und verschiedenste Vögel umher. Ein Schwalbenschwanz ist auf der Suche nach Nahrung.
Die Erde erwacht. Genauer gesagt: Sie hat nie wirklich geschlafen, sondern lediglich die Stoffwechselrate gedrosselt, als wäre sie ein Laptop im Energiesparmodus. Diese Vielfalt ist kein Zufall, ihr Fundament ist ein intaktes, widerstandsfähiges Ökosystem.

Je größer die Artenvielfalt, desto widerstandsfähiger ist ein Ökosystem gegenüber Störungen wie Klimawandel, Stürmen oder Waldbränden. Ökolog:innen sprechen hier von Resilienz – der Fähigkeit eines Systems, nach einer Störung wieder ins Gleichgewicht zu finden (Quelle: IPBES Global Assessment 2019).
In einem artenreichen Lebensraum kann der Ausfall einer Art oft durch eine andere kompensiert werden. Diese sogenannte ökologische Redundanz wirkt wie eine Sicherheitsreserve der Natur (Quelle: Loreau et al., Biodiversity and Ecosystem Functioning, 2001). Wenn etwa eine bestimmte Wildbienenart verschwindet, übernehmen andere Bestäuber ihre Aufgabe. So bleibt das System funktionsfähig, auch wenn einzelne Glieder der Kette fehlen.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Wald: In einem Mischwald mit verschiedenen Baumarten kann ein Sturm oder Schädlingsbefall einzelne Arten treffen, ohne dass der gesamte Wald zusammenbricht. In einer Fichtenmonokultur hingegen kann ein einziger Borkenkäferbefall ganze Hänge schädigen (Quelle: BMLUK, Der Wald als Klimaschützer, 2023). Vielfalt schützt also vor dem Kollaps.
Gerät ein Ökosystem aus der Balance, sind die Folgen oft weitreichend. Ursachen dafür gibt es viele:
Nicht jeder Lebensraum ist gleich artenreich. Der Standort entscheidet, wie viele Arten dort leben können:
Eine einfache Faustregel verdeutlicht das:
Eine zusätzliche Pflanzenart kann bis zu zehn weitere Insektenarten fördern. Jede Blüte, jedes Blatt bietet Nahrung, Schutz oder Lebensraum – und schafft damit neue ökologische Nischen.
(Quelle: BfN – Bundesamt für Naturschutz, Biodiversität und Ökosystemleistungen, 2020).
Ein Beispiel aus dem Nationalpark Hohe Tauern Auf einer artenreichen Almwiese finden sich bis zu 60 Pflanzenarten pro Quadratmeter. Diese Vielfalt zieht wiederum unzählige Insekten, Vögel und Kleinsäuger an – ein lebendiges Netzwerk, das sich gegenseitig stabilisiert.

Der Schutz der Biodiversität in Europa ruht auf zwei zentralen Säulen:
Beide Ansätze ergänzen sich: Arten können nur überleben, wenn auch ihre Lebensräume intakt bleiben. Und Lebensräume bleiben nur stabil, wenn sie von einer Vielzahl an Arten belebt werden.
Biodiversität ist mehr als ein Schlagwort – sie ist das Sicherheitsnetz der Natur.
Je vielfältiger ein Ökosystem, desto besser kann es auf Veränderungen reagieren. Vielfalt bedeutet Stabilität, und Stabilität bedeutet Zukunft.
Der Nationalpark Hohe Tauern zeigt, wie dieses Prinzip in der Praxis funktioniert: Wo Artenvielfalt gefördert wird, bleibt die Natur widerstandsfähig – und das Leben in all seinen Formen kann weiterblühen.
u.a.
• IPBES Global Assessment 2019 ( https://www.ipbes.net/global-assessment )
• Loreau et al. – Biodiversity and Ecosystem Functioning (2001) https://www.science.org/doi/10.1126/science.1064088
• BMLUK – Der Wald als Klimaschützer https://www.bmluk.gv.at/themen/wald/wald-und-klima/der-wald-als-klimaschuetzer.html
• Nationalpark Hohe Tauern – Vielfältiges Leben https://hohetauern.at/images/NPHT_Biodiversitaetsbroschuere_web_2024.pdf
• Natura 2000 Gebiet (Nationalpark Hohe Tauern) https://hohetauern.at/de/natur/natura-2000.html
• BfN – Biodiversität und Ökosystemleistungen https://www.bfn.de/bpbv-oekosystemleistungen
Biodiversität sorgt dafür, dass Ökosysteme stabil bleiben. Je mehr Arten vorhanden sind, desto besser kann die Natur auf Veränderungen wie Klimawandel, Stürme oder Krankheiten reagieren.
Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Ökosystems, nach Störungen wieder ins Gleichgewicht zurückzufinden. Artenreiche Systeme sind dabei deutlich widerstandsfähiger.
Das bedeutet, dass mehrere Arten ähnliche Funktionen erfüllen. Fällt eine Art aus, können andere ihre Rolle übernehmen – wie ein Backup-System der Natur.
In Mischwäldern verteilen sich Risiken: Schädlinge oder Stürme betreffen nicht alle Baumarten gleichzeitig. Monokulturen hingegen können durch ein einziges Problem großflächig zerstört werden.
Typische Ursachen sind:
• Invasive Arten
• Überweidung
• Monokulturen
• Gestörte Räuber-Beute-Beziehungen
Weil dort weniger dominante Pflanzen wachsen. Dadurch haben viele verschiedene Arten Platz – es entsteht eine höhere Vielfalt.
Eine zusätzliche Pflanzenart kann bis zu zehn weitere Insektenarten fördern, da sie neue Nahrung und Lebensräume schafft.
Hier zeigt sich Biodiversität in ihrer ganzen Stärke: Viele Arten bilden ein stabiles Netzwerk und stabile Lebensräume, das sich gegenseitig unterstützt und widerstandsfähig macht. Vielfalt bedeutet Stabilität. Und Stabilität bedeutet Zukunft – für Natur und Mensch gleichermaßen.
Durch zwei zentrale Ansätze:
1. Schutz einzelner Arten (z. B. über Richtlinien)
2. Schutz ganzer Lebensräume
April 2026: Teil 1: Warum Arten- und Lebensraumschutz unsere Zukunft sichert
Mai 2026: Teil 2: Biodiversität – warum Vielfalt stabile Ökosysteme schafft
Juni 2026: Teil 3: Können einzelne Arten ganze Ökosysteme stabilisieren?
Juli 2026: Teil 4: Der Nationalpark Hohe Tauern – Schutzraum für alpine Lebensvielfalt
August 2026: Teil 5: 40 Jahre Bartgeier-Wiederansiedlung – Erfolgsgeschichte des alpenweiten Naturschutzes
September 2026: Teil 6: Nationalpark Hohe Tauern: Natur& Kultur: Arten-/Lebensraumschutz in der Kulturlandschaft