Nationalpark Hohe Tauern

Was findet man eigentlich im Büro unserer Nationalparkdirektorin Barbara Pucker?


Zwischen Akten, Konzepten und Managementplänen steckt auch ganz Persönliches.
Ein besonderer Blickfang: die Urkunde ihrer ersten Besteigung des Großglockners.

Wir haben bei Barbara Pucker nachgefragt:


Wie herausfordernd war dieser großartige Gipfelsieg?

Ganz früh am Tag, noch vor allen anderen, am Gipfel zu stehen, war ein tief prägendes Erlebnis. Besonders beglückend war dieser Moment für mich, weil mir die Besteigung des Großglockners im Jahr 1982 aufgrund von Schlechtwetter verwehrt geblieben war. Erst viele Jahre später – mit meiner neuen Verbindung zu den Hohen Tauern im Jahr 2023 – habe ich den Aufstieg erneut gewagt und schließlich vollenden können.

Was hat sich seit diesem Jahr für dich verändert?

Der Großglockner hat meinen Blick auf den Nationalpark nachhaltig geschärft. Hier wird unmittelbar spürbar, wie sensibel diese hochalpinen Lebensräume sind – und wie stark sie sich im Zuge des Klimawandels verändern. Ein eigenes, zum Glück glimpflich verlaufenes Steinschlag-Erlebnis hat mir diese Dynamik besonders eindrücklich vor Augen geführt. Unsere Bergwelt ist in Bewegung: Der globale Temperaturanstieg lässt ehemals stabile Strukturen instabil werden, Veränderungen verlaufen vielerorts bereits rasant. Umso klarer wird, dass wir in einem Spannungsfeld stehen: Einerseits müssen wir lernen, uns an diese Veränderungen anzupassen. Andererseits tragen wir Verantwortung dafür, in welchem Zustand wir die Berge – und letztlich die gesamte Erde – an unsere Kinder und Enkel weitergeben.

Und wenn du nur einen Tag im Nationalpark Hohe Tauern verbringen könntest – wie würde der aussehen?

Ich beginne meinen Tag im Nationalpark Hohe Tauern im sanften Licht der Berge und in einer stillen, klaren Morgenluft. Schon die ersten Schritte auf den Wegen durch Almen und alpine Landschaften lassen mich innehalten – überall eröffnen sich neue Perspektiven und kleine, besondere Begegnungen mit der wilden Natur. Wenn ich aufmerksam bin, entdecke ich Spuren von Tieren, sehe die Vielfalt der Pflanzen und erkenne die geologischen Geschichten, die diesen Ort seit Jahrtausenden prägen. Es ist dieses bewusste Wahrnehmen, das den Tag so besonders macht. Zwischen der Weite der Landschaft und ihrer ruhigen Kraft entsteht in mir ein Gefühl von tiefer Verbundenheit und Staunen. Und wenn der Abend kommt, nehme ich eine klare Erkenntnis mit: Diese Landschaft erzählt – leise, aber eindrucksvoll.



Geschrieben von
Elfriede Oberdorfer-Wuggenig

12.05.2026