Nationalpark Hohe Tauern

Almen im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten und Salzburg Erhebung der Lebensräume und Almnutzung


Die Kulturlandschaft der Hohen Tauern ist durch jahrhundertelange Handarbeit geformt worden. Einst war alles Naturlandschaft, dann legten die Menschen Hand an und gestalteten die Landschaft neu. Wiesen und Äcker wurden in die Waldhänge gerodet. Klaubsteinmauern, Hecken und Zäune gliederten den landwirtschaftlich genutzten Boden. Nicht nur die Tallagen sind kultiviert, auch die hochgelegenen Flächen wurden und werden in den Sommermonaten genutzt. Die Almen sind heute das Kernstück der alpinen Kulturlandschaft in den Hohen Tauern.

Vielfalt aus Menschenhand

Damit ist anstelle der relativ artenarmen Fichtenwälder eine reich strukturierte naturnahe Kulturlandschaft getreten und neuer Lebensraum – nicht nur für Weidetiere – entstanden. Das typische Wesen der Almlandschaft ist durch eine Verzahnung unterschiedlicher Teillebensräume wie feuchte und trockene Weiderasen, Mähwiesen, Niedermoore, Felsen, Einzelbäume, strukturierte Waldränder und Zwergstrauchheiden gekennzeichnet. Diese Lebensraumvielfalt ist Grundlage einer bemerkenswerten Artenvielfalt in einer Landschaft aus Menschenhand.

Untersuchung der Almen im Nationalpark

Die Diskussion um die Zukunft der Almen hat im Zuge der Nationalparkwerdung eine große Rolle gespielt. Daher wurden von 1996 bis 2001 in allen drei Anteilen des Nationalparks Hohe Tauern Untersuchungen zur almwirtschaftlichen Nutzung durchgeführt. Die Almwirtschaft ist in Verbindung mit Strukturwandel und Klimawandel massiven Veränderungen ausgesetzt und steht vor großen Herausforderungen. In den letzten Jahrzehnten ist es einerseits zur Intensivierung der Almwirtschaft aber auch zur Nichtbewirtschaftung von Almen gekommen. Deshalb wurde die Almnutzung in den Jahren 2012-2015 in Kärnten und 2014-2015 in Salzburg erneut erhoben. In den Managementplänen von Kärnten und Salzburg wurde jeweils eine Wiederholung der Almnutzungserhebung festgehalten. Bis 2027 wird daher die Almnutzungserhebung, im Sinne eines Monitorings, im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten und Salzburg aktualisiert.

Aktuelle Erhebungen der Almnutzung und der Lebensräume

Naturraumplanung Egger e.U. und eb&p Umweltbüro GmbH aus Klagenfurt wurden damit beauftragt, die aktuelle Almnutzung erneut festzustellen und auszuwerten. Dieses Projekt baut auf den Ergebnissen aus dem Jahr 2015 und hat folgende Kernziele:
• Erfassung der Lebensraumtypen, Biotoptypen und der Almnutzung v. a. im Gelände
• Untersuchung der Veränderungen auf den Almen seit der letzten Erhebung im Jahr 2015
• Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen (Kombination aus almwirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Maßnahmen) zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume.

Aufgrund der Größe und Höhenlage des Untersuchungsgebietes wird eine kombinierte Methodik von Geländekartierungen, Fernerkundung mit Begehung von Referenzflächen sowie Modellierungen verwendet. Dieser methodische Ansatz soll eine flächendeckende Ausweisung und Überprüfung der FFH-Lebensraumtypen und Biotoptypen, der aktuellen almwirtschaftlichen Nutzung sowie die Bewertung des ökologischen Zustands dieser Lebensräume für das Untersuchungsgebiet gewährleisten.

Vorbereitende Tätigkeiten

Im Rahmen eines Fernerkundungsmodells wurden die Lebensräume auf Basis von Luft- bzw. Satellitenbildern vorabgegrenzt. Ziel ist die flächendeckende Erfassung der Lebensraumtypen innerhalb der Weidegebiete. Dafür kommt ein neuer methodischer Ansatz namens Google4Habitat zum Einsatz, der speziell für die fernerkundungsbasierte Erfassung und Klassifizierung von Vegetations- und FFH-Lebensraumtypen sowie Biotoptypen im alpinen Raum entwickelt wurde.
Im Frühjahr 2025 fanden umfangreiche Befragungen der Almeigentümer:innen und Almbewirtschafter:innen zur aktuellen Nutzung, zu den Weidebereichen, zur Anzahl der aufgetriebenen Tiere und zur Weidedauer statt. Die Ergebnisse dieser Befragungen, die aktuellen almspezifischen Daten sowie neu im Gelände erhobene Daten sind Grundlage für die Almnutzungsmodellierung. Dafür wird wie auch schon bei der Almnutzungserhebung 2015 das Nutzungsmodell GrassPre verwendet, um die Beweidungsintensität, den genutzten Bruttoenergieertrag und die Tierbesatzdichte zu ermitteln.

Geländeerhebungen

Von Juli bis September waren insgesamt 18 Kartierer:innen auf den Rinder- und Schafalmen in Kärnten und Salzburg unterwegs, um ihren vegetationsökologischen Zustand sowie die aktuelle almwirtschaftliche Nutzung direkt im Gelände zu erheben. In der Geländesaison 2025 konnten im Kärntner Anteil 79 Almen und im Salzburger Anteil des Nationalparks Hohe Tauern 73 Almen erhoben werden. Die Kartierarbeiten werden im Sommer 2026 abgeschlossen, die Auswertung läuft bis Mai 2027.

Erwartete Ergebnisse

Das Ergebnis dieses Projekts ist eine flächendeckende Erfassung der aktuellen Almnutzung und des Ist-Zustands der Lebensraumtypen auf den Almen im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten und Salzburg. Auf Basis dieser Grundlagenerhebung werden die Auswirkungen der aktuellen Nutzungen auf die Lebensräume analysiert und Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Durch eine standortangepasste, nachhaltige Almwirtschaft, die naturschutzfachliche Aspekte optimal berücksichtigt und keine negativen Auswirkungen auf die Lebensräume und Arten hat, soll somit eine hohe Biodiversität auf den Almen in Nationalpark Hohe Tauern Kärnten und Salzburg gesichert werden. Dieses Projekt liefert die wissenschaftlichen Grundlagen und damit die Basis für die zukünftige Umsetzung von Maßnahmen gemeinsam mit den Almbewirtschafter:innen und Grundeigentümer:innen sowie für die Erreichung dieser Zielsetzung.

Eine ganzheitliche Planung sowie ein permanenter Dialog mit den einzelnen Interessensgruppen und den Betroffenen sind grundlegend für die Zukunft der Almen im Nationalpark. Daher wurden die Stakeholder mehrmals schriftlich über das Projekt informiert und konnten Anfang Juni 2025 bei jeweils einer Informationsveranstaltung in Kärnten und Salzburg grundlegende Einblicke in das Projekt und zum geplanten Ablauf aus erster Hand erhalten. Denn wesentlich für die Wahrung der Interessen von Naturschutz und Almwirtschaft ist ein gutes Miteinander.

 

Logo

 

Alm1

 Einschulungsworkshop auf der Hirzkaralm in Salzburg. c NPHT Aichhorn Katharina

 

FptpAlm2

Kartierarbeiten auf der Gipper- und Guttalalpe in Kärnten. c Naturraumplanung Egger, Dubbert Monika


Geschrieben von
Katharina Aichhorn

07.04.2026