Von Anfang März bis Ende März 2026 war Lukas Bliem im Nationalpark Hohe Tauern unterwegs, um einen der eindrucksvollsten Greifvögel der Alpen zu beobachten: den Steinadler. Der Student der Wildtierökologie an der BOKU Wien, wohnhaft in Saalfelden, verbindet fachliches Interesse mit persönlicher Leidenschaft für die alpine Natur. Seine Begeisterung für die Berge spiegelt sich nicht nur in seiner Freizeit wider, sondern auch in seinem Engagement für den Schutz und die Erforschung sensibler Ökosysteme.
Im Rahmen des Steinadlermonitorings widmete sich Lukas Bliem der Kontrolle bekannter Horststandorte sowie der Weiterführung und Ergänzung einer bestehenden Datenbank. Ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit war die genaue Dokumentation des Verhaltens der Tiere und ihrer Flugrouten. Ausgerüstet mit Fernglas und Spektiv verbrachte er viele Stunden in den Tälern des Nationalparks, vor allem bei günstigen Wetterbedingungen. An Tagen mit schlechter Witterung verlagerte sich die Arbeit ins Büro, wo die gesammelten Daten sorgfältig in Excel und GIS-Systeme eingepflegt und ausgewertet wurden. Auch Beobachtungen von Bartgeiern flossen in die Dokumentation ein.
Die Bedeutung dieses Monitorings reicht weit über einzelne Beobachtungen hinaus. Das Verhalten und der Bruterfolg der Steinadler liefern wichtige Hinweise auf den Zustand des gesamten Ökosystems. Gleichzeitig tragen die erhobenen Daten dazu bei, sensible Brutplätze zu schützen – etwa durch die Berücksichtigung in Prüfprotokollen für Helikopterflugrouten, um Störungen während der Brutzeit zu vermeiden.
Die diesjährigen Erhebungen brachten spannende Erkenntnisse: So konnte ein neuer Baumhorst entdeckt werden, und bei mehreren bekannten Horsten wurde Aktivität festgestellt. Besonders eindrucksvoll waren Beobachtungen des Revierabgrenzungs- und Balzverhaltens, einschließlich eines Kopulationsversuchs. Darüber hinaus gelangen Sichtungen von zwei Bartgeiern sowie von Rot- und Gamswild, die das vielfältige Bild der alpinen Tierwelt abrundeten.
Neben der praktischen Feldarbeit bot das Praktikum auch Einblicke in die fachliche Vernetzung innerhalb des Naturschutzes. Die Teilnahme an einem Steinadler-Expert*innentreffen im Nationalpark Gesäuse sowie an der Veranstaltung „40 Jahre Bartgeier“ in Mallnitz ermöglichte den Austausch mit Fachleuten und vertiefte das Verständnis für großräumige Schutzprojekte. Auch die Mitwirkung bei einer Rotwildfütterung im Habachtal ergänzte die vielseitigen Erfahrungen.
Die Arbeit im Nationalpark Hohe Tauern zeichnet sich durch ihre Abwechslung aus: Der Wechsel zwischen intensiver Geländearbeit und analytischer Büroarbeit vermittelt ein umfassendes Bild moderner Schutzgebietsbetreuung. Für Lukas Bliem hat sich dadurch nicht nur ein tiefer Einblick in die Praxis ergeben, sondern auch eine klare Perspektive für die Zukunft. Die Vorstellung, nach dem Studium in einem Nationalpark tätig zu sein, ist durch diese Erfahrungen greifbarer denn je geworden.
Mit der Fortsetzung des Praktikums in den Sommermonaten stehen bereits neue Aufgaben bevor. Dann wird der Fokus verstärkt auf möglichen Bruterfolgen und der Beobachtung von Jungadlern liegen – ein weiterer wichtiger Baustein, um das Leben des Steinadlers im Hochgebirge noch besser zu verstehen.
Unterstützt aus den Mitteln des Patenschaftsfonds des Österreichischen Alpenvereins