Podcast #012: Hochgebirge: Der Wandel als Konstante
Wie stark verändert sich eine alpine Landschaft innerhalb von 24 Jahren? Das Projekt CC-Habitalp hat die Veränderungen in drei Gebieten des Nationalparks Hohe Tauern anhand von Luftbildern aus den Jahren 1998 und 2022 dokumentiert. Auf rund 150 Quadratkilometern wurden unter anderem Gletscherrückgang, neu entstandene Seen, Veränderungen von Wald und Vegetation, Naturereignisse und menschliche Nutzung sichtbar gemacht. Besonders überraschend: Rund ein Drittel der untersuchten Fläche hat sich in diesem Zeitraum verändert. Die Daten zeigen, wie dynamisch die Landschaft ist – und helfen dabei, ihre zukünftige Entwicklung besser zu verstehen.
Die alpine Landschaft wirkt auf den ersten Blick unveränderlich. Doch der genaue Blick zeigt: In den Hohen Tauern passiert ständig etwas – manches spektakulär, vieles langsam und für uns kaum wahrnehmbar.
Das Projekt CC-Habitalp (Change Check) hat untersucht, wie sich die Landschaft in drei Gebieten des Nationalparks Hohe Tauern über einen Zeitraum von 24 Jahren verändert hat. Dafür wurden Luftbildaufnahmen aus 1998 und 2022 verglichen und verschiedene Habitat- und Bodenbedeckungstypen systematisch kartiert.
Untersucht wurden das Seebachtal in Kärnten, das Sulzbachtal in Salzburg und das Innergschlöss in Osttirol. Zusammen umfassen die Untersuchungsgebiete rund 150 Quadratkilometer.
Die Ergebnisse zeigen eine erstaunlich dynamische Landschaft: Auf rund einem Drittel der untersuchten Fläche wurden Veränderungen festgestellt. Dazu zählen unter anderem:
• der Rückgang von Gletschern
• die Entstehung neuer Seen in ehemaligen Gletscherbereichen
• Veränderungen von Wald- und Vegetationsflächen
• Murgänge, Überschwemmungen und Rutschungen
• Veränderungen durch menschliche Nutzung
• Veränderungen der Waldgrenze und Vegetationsentwicklung.
Besonders eindrucksvoll ist das Beispiel eines neu entstandenen Sees im Untersuchungsgebiet: Wo sich früher Gletschereis befand, ist inzwischen ein See von knapp 20 Hektar entstanden.
Auch weniger offensichtliche Veränderungen wurden sichtbar. So ging im Seebachtal der Bestand an Grünerlen deutlich zurück. Als mögliche Erklärung wurde lokales Expertenwissen herangezogen: Ein Pilz hatte die Bestände stark reduziert.
Der Klimawandel spielt bei vielen der beobachteten Veränderungen eine Rolle. Besonders offensichtlich ist das beim Gletscherrückgang. Gleichzeitig verändern sich auch die Bedingungen für Wald und Vegetation: Die Waldgrenze wandert langsam nach oben, und ehemals vegetationsfreie Flächen werden besiedelt. Bei anderen Prozessen – etwa Felsstürzen, Murgängen oder Hangrutschungen – lässt sich der konkrete Anteil des Klimawandels anhand der vorliegenden Zeitreihe allerdings nicht eindeutig bestimmen.
Die Untersuchung bewertet die Veränderungen nicht, sondern dokumentiert sie und schafft eine Grundlage für Vergleiche. Dadurch lässt sich besser erkennen, welche Prozesse bereits im Gang sind und wie sich die Landschaft weiterentwickeln könnte. Für den Nationalpark bedeutet das: Landschaftsschutz braucht auch ein Verständnis dafür, wie sich die Landschaft verändert.
Das Projekt wurde 2025 abgeschlossen. Auf dieser Grundlage soll unter anderem untersucht werden, was auf Flächen passiert, wenn der Gletscher verschwunden ist – mit einem besonderen Fokus auf Gletschervorfelder.
Zu Gast:
Angelika Riegler, Forschungskoordinatorin, Nationalparkrat Hohe Tauern
Mario Lumassegger, Geograf, REVITAL