Inhaltsverzeichnis
Bartgeier Brutsaison Alpenweit & Österreich
Bartgeier Brutsaison in den Hohen Tauern
Bartgeier Tarn erneut in den Hohen Tauern
Gänsegeier: Aktuelles zu Vergiftungen und Statistiken Sommer
Mönchsgeier: Sichtungen nehmen zu
Steinadler: Brutgeschehen
Seeadler – seltene Gäste in den Hohen Tauern
10. Oktober 2026: Bartgeier-Zähltag
Aus der Datenbank des Internationalen Bartgeier Monitorings (IBM) geht hervor, dass während des Sommers 2026 im gesamten Alpenraum insgesamt 72 Jungvögel erfolgreich ausgeflogen sind. Mit 29 Jungvögeln wurden in der Schweiz die meisten Jungvögel produziert. Auf die französischen Alpen entfallen 18 Jungvögel und in Italien/Südtirol konnte der Ausflug von 17 Jungvögeln festgestellt werden. In Österreich während des Monitorings in den Hohen Tauern und Nordtirol insgesamt 8 Jungvögel nachgewiesen. In weiterer Folge wurde auch ermittelt, dass es im Alpenraum zu 30 Brutabbrüchen (∑ = 102 Eiablagen) vor oder nach dem Schlupf des Jungvogels gekommen war. Dennoch ist die Zahl der ausgeflogenen Jungvögel im Vergleich zur Brutsaison 2025 (∑ = 67 Jungvögel) erneut leicht gestiegen.
Österreich
Nachdem zu Beginn des Jahres insgesamt zehn Bartgeier-Paare zur Brut geschritten waren, konnte in acht Fällen der erfolgreiche Ausflug des Jungvogels dokumentiert werden. Lediglich zwei Paare hatten die Brut abgebrochen. Sowohl in den Hohen Tauern als auch in Nordtirol konnten jeweils vier Jungvögel nachgewiesen werden, welche erfolgreich aus-geflogen waren. Die Erfolge in der aktuellen Brutsaison konnten bisher nur 2023 erreicht werden, wo ebenfalls acht Jungvögel erfolgreich ausflogen.
Im Bartgeier-Monitoring des Nationalparks Hohe Tauern werden derzeit sechs Brutpaare betrachtet. Aufgrund eines Partnerwechsels sind derzeit nur fünf der sechs betrachteten Paare brutfähig. Im Jahr 2026 wurden insgesamt fünf Brutaktivitäten festgestellt, von denen letztendlich vier erfolgreich abgeschlossen wurden. Während in Osttirol ein Paar erfolgreich gebrütet hat, haben alle drei Bartgeier-Paare in Kärnten einen Jungvogel produziert.
Bartgeier Paar Heiligenblut
Die Horstkontrollen in der ersten Jahreshälfte ergaben, dass das Heiligenbluter Paar, bestehend aus dem Weibchen Ambo (Gasteinertal, 2002) und dem Männchen Fortuna (Dorfertal, 2015) zum inzwischen vierten Mal in Folge erfolgreich gebrütet haben. In Bezug auf die Hohen Tauern war das Heiligenbluter Paar somit das einzige Paar, was im Zeitraum zwischen 2023 und 2026 keine Brut abgebrochen hatte. Mitte Juli wurde festgestellt, dass „Heiligenblut2026“ erfolgreich ausgeflogen war und das elterliche Revier erkundete. Bartgeier Fortuna trägt den letzten funktionierenden Sender eines in den Hohen Tauern ausgewilderten Vogels. Somit liefert er bis zum heutigen Tag wichtige Daten über das Verhalten des Bartgeiers. Die Datenanalyse zeigt, dass Fortuna nur selten weitere Strecken zurücklegt und somit ein relativ kleines Streifgebiet bzw. Revier besitzt. Dennoch wurde während des Sommers beobachtet, dass das Paar sein Revier gegen einfliegende Artgenossen verteidigt.
Bartgeier Paar Mallnitz
Störungen des Brutgeschehens durch Eiskletterer können oft zu Brutabbrüchen führen. Nachdem es im Frühjahr 2025 zu Störungen im Horstbereich des Mallnitzer Paares gekommen war, hatte das Paar die Brut abgebrochen. Horstschutzmaßnahmen der Kärntener Nationalparkverwaltung unterstützten das Brutgeschehen im Frühjahr 2026. Die Kontrollen im April zeigten, dass die Maßnahmen erfolgreich waren, da das Paar einen Jungvogel produziert hatte. Weitere Kontrollen zeigten, dass der Jungvogel Anfang Juli ausgeflogen war. Somit hat das Mallnitzer Paar, bestehend aus dem Weibchen Charlie (Untersulzbachtal, 2016) und Felix2 (Debanttal, 2014) nach 2023 und 2024 zum inzwischen dritten Mal erfolgreich einen Jungvogel produziert. Während „Mallnitz2023“ noch Anfang August ausgeflogen war, starteten „Mallnitz2024“ und „Mallnitz2026“ jeweils Anfang Juli zu ihren Erstflügen.
Bartgeier Paar Katschberg
Die Kontrollen des Brutgeschehens ergaben, dass das Katschberger Bartgeier-Paar, bestehend aus dem Weibchen Romaris (Dorfertal, 2007) und dem Männchen Hubertus2 (Dorfertal, 2004) erfolgreich einen Jungvogel produziert hatte, welcher Ende Juni den elterlichen Horst verlies. In weiterer Folge wurde sich dazu entschieden, den Jungvogel „Flori“ zu benennen. Mit insgesamt elf erfolgreichen Bruten gilt des Katschberger Paar derzeit als erfolgreichstes Bartgeier-Brutpaar in Österreich. In den Jahren 2024 und 2025 hatte das Paar die Brut abgebrochen, was auf eine intraspezifische Konkurrenz zu Steinadlern zurückzugeführt werden konnte. Das Katschberger Bartgeier-Paar bildet das östlichste Brutpaar der alpinen Bartgeier-Population.
Bartgeier Paar Prägraten
Das Prägratner Bartgeier-Paar gilt als westlichstes Brutpaar der Hohen Tauen. Seit der ersten erfolgreichen Brut im Jahr 2023 konnte in diesem Frühjahr zum zweiten Mal ein Jungvogel nachgewiesen werden. Der Anfang März geschlüpfte Vogel verließ nach 104 Tagen den elterlichen Horst zu seinem Erstflug. Die durchschnittliche Nestlingszeit beträgt bei Bartgeiern ca. 120 Tage, sodass der Prägratner Jungvogel ungefähr zwei Wochen früher ausflog. Während der Jungvogel aus dem Jahr 2023 den Namen „Prägrata“ erhalten hatte, wurde der aktuelle Jungvogel auf Namen „Geierwally“ getauft.
Bartgeier Paar Gschlöß
Nachdem seit Spätsommer 2024 der zweite Altvogel des Gschlößtaler Bartgeier-Paares als verschollen gilt, konnte 2025 ein subadulter Bartgeier im Revier nachgewiesen werden, welcher dauerhaft mit dem verbliebenen Altvogel flog. Durch den Abgleich von Bildern, Gefiedermerkmalen und GPS-Senderdaten stellte sich heraus, dass es sich bei dem Tier um das 2022 im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderte Bartgeier-Weibchen Recka handelt. Aufgrund von Reckas Alter konnte eine Eiablage im vergangenen Winter nicht stattfinden, da sie in diesem Zeitraum noch nicht brutfähig war. Recka befindet sich nun im fünften Lebensjahr und es bleib abzuwarten, wann Recka die Geschlechtsreife erreicht, welche meist im Alter zwischen fünf und sieben Jahren eintritt.
Die neue Paarzusammensetzung ist ein Beweis für die positiven Effekte der Bartgeier-Freilassungen in Deutschland. Die Analyse der GPS-Senderdaten ergab, dass Recka eine klare Präferenz für ihr Revier entwickelt, jedoch auch Erkundungsflüge in die Nationalparkanteile Salzburgs und Kärntens durchführt.

Abbildung: Bartgeier Recka im Gschlößtal (C) Egger
Bartgeier Paar Rauris
Horstkontrollen meldeten Mitte März, dass das Rauriser Paar, bestehend aus Bartgeier-Weibchen Alexa (Rauris, 1988) und Bartgeier-Männchen Andreas Hofer (Rauris; 1996) die Brut vermutlich in einem relativ frühen Stadium abgebrochen hatten. Die Gründe für den Brutabbruch sind unbekannt, da das Tal aufgrund der hohen Lawinengefahr nur selten begangen werden kann. Ob der Brutabbruch auf das hohe Alter der Vögel zurückzuführen ist, kann nicht ausgeschlossen werden.
Die erste Kontrolle nach dem Brutabbruch Anfang Mai zeigte eine sonderbare Situation, da sich ein dritter, subadulter oder adulter Vogel im Revier aufhielt. Über den gesamten Sommer konnten die drei Bartgeier sehr oft gemeinsam beobachtet werden. Ein aggressives Verhalten seitens der Revierinhaber gegenüber dem dritten Vogel wurde nicht festgestellt. Die Identität bzw. die Herkunft des dritten Vogels konnte bisher nicht geklärt werden. Auch die Gründe für das die Anwesenheit des Vogels sind unklar. Mit großem Interesse wird daher die Reaktion des Rauriser Paares auf den dritten Vogel bezüglich der anstehenden Brutsaison verfolgt. Aussagen über einen anstehenden Partnerwechsel oder eine Triobildung können zum aktuellen Zeitpunkt daher nicht getätigt werden.

Abbildung: Drei adulte Bartgeier im Krumltal (c) Lehnert

Abbildung: Adulter Bartgeier im Krumltal (c) Lehnert
Neben jenen Bartgeiern, welche in den Hohen Tauern leben, werden immer wieder einfliegende, meist immature Bartgeier nachgewiesen. So kam es im Frühsommer zu mehreren Sichtungen eines immaturen Bartgeiers im Rauriser Tal aber auch im Krumltal. Da der Vogel keinerlei Markierung aufwies, dürfte es sich höchstwahrscheinlich um einen Wildvogel handeln.
Abbildung: Immaturer Bartgeier im Krumltal (C) Lehnert

Abbildung: Immaturer Bartgeier in Osttirol(c) Dietmaier
Ein weiterer, immaturer Bartgeier konnte sowohl in Osttirol als auch in Kärnten nachgewiesen werden. Da beide Sichtungen fotografisch festgehalten wurden, konnte das Tier anhand der Gefiedermerkmale (Mauser) an verschiedenen Orten im Nationalpark nachgewiesen werden. Während der Bartgeier in Osttirol bei der Nahrungssuche beobachtet wurde, kam es in Kärnten zu Abdrängversuchen seitens des Heiligenbluter Paares. Auffallend ist, dass einfliegende Bartgeier meist die Gesellschaft etablierter Paare suchen.
Auch in diesem Sommer beflog das 2024 in Frankreich ausgewilderte Bartgeier-Weibchen Tarn die Hohen Tauern. Anhand der Senderdaten konnte festgestellt werden, dass sich Tarn für insgesamt drei Monate in den Hohen Tauern aufhielt, bevor sie wieder in die französischen Alpen zurückkehrte. Bartgeier Tarn wurde im französischen Zentralmassiv ausgewildert und legte mit ihren Reisen in die Ostalpen sehr große Distanzen zurück. Für Tarn war es nachweislich der zweite Sommer in den Hohen Tauern.
Mitte April entdeckten Jäger und Passanten in Kärnten und Osttirol verendete Gänsegeier. Unweit der Fundstellen entdeckten Passanten einen stark geschwächten Gänsegeier an einem Bachufer, welcher zur medizinischen Versorgung in die Landskroner Vogelwarte überführt wurde. Bei dem geretteten Tier handelt es sich um „GypFul_FB7“ – einem 2019 in der Geierstation in Cornino beringten und besenderten Vogel. Nach dessen Genesung konnte der Vogel wieder in die Freiheit entlassen werden. Durch das plötzliche Auftreten mehrerer Todes- und Krankheitsfälle in einem kleinräumigen Gebiet, wurde sich dafür entschieden, das EU LIFE-Projekt „wildLIFEcrime“ zu involvieren. In dem Projekt gegen Wildtierkriminalität arbeiten u.a. BildLife Österreich, die Veterinärmedizinische Universität Wien sowie die österreichische Kriminalpolizei zusammen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Tiere an einem seit 2008 in der EU verbotenen Insektizid verendet waren. Es wird angenommen, dass die Giftköder der illegalen Tötung von Wölfen dienen sollten und stattdessen die Gänsegeier das vergiftete Fleisch aufgenommen hatten. Das verwendete Gift ist auch für Menschen extrem gefährlich. Die Ermittlungen zu dieser schweren Straftat dauern noch an. Es ist jedoch zu befürchten, dass dem Giftanschlag weit mehr Vögel zum Opfer gefallen sind, da das betroffene Gebiet im Frühjahr von zahlreichen Gänsegeiern beflogen wird.
Die Hohen Tauern bilden in den Ostalpen das wichtigste Übersommerungsgebiet für Gänsegeier, was vor allem auf die Verfügbarkeit von Wild- und Nutztierkadavern zurückzuführen ist. Trotz der Vergiftungsfälle aus dem Frühjahr konnten auch in diesem Sommer wieder zahlreiche Gänsegeier in den Hohen Tauern beobachtet werden. Die ersten größeren Gruppen wurden Anfang Mai im Nationalpark nachgewiesen. Basierend auf den Ergebnissen der vergangenen Monitoringjahre wurde ein Fokus auf die nördliche Glockner- und Goldberggruppe (Salzburger Nationalparkanteil) gelegt. Die Auswertung der Daten ergab, dass vor allem im September große Gruppen an Gänsegeiern diesen Bereich beflogen, was mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf ein gutes Angebot an Kadavern zurückzuführen sein dürfte. Mitte September wurden in der Goldberggruppe insgesamt 134 Gänsegeier gemeinsam fliegend und sitzend nachgewiesen. Eine Zahl, welche den bisherigen Rekordwert von 107 Gänsegeiern (2024) weit übertrifft. Die gemeldeten Individuenzahlen verdeutlichen die Bedeutung der Hohen Tauern für die Aasfresser, welche vor allem aus Süd- und Südosteuropa stammen.

Abbildung: Gänsegeier im Krumltal (c) Lehnert
Dabei gelang es, einen markierten Gänsegeier abzulichten und zu identifizieren. Der mit einer roten Flügelmarkierung (wingtag) ausgestatte Vogel trug die Kennung „77“. Die Zusammenarbeit mit der Geierstation am Lago di Cornino (Friaul/Italien) ergab, dass es sich um einen im Jahr 2025 in Serbien geborenen und markierten Vogel handelte. Dieser Nachweis zeigt erneut, wie wichtig die Hohen Tauern, für ziehende Gänsegeier aus Südosteuropa sind.

Abbildung: Gänsegeier mit rotem Wingtag im Seidlwinkltal (c) Rupert
Aus den Senderdaten des 2019 besenderten Gänsegeiers „FB5“ geht hervor, dass dieser im Sommer 2026 ein sehr ähnliches Raumverhalten wie im vergangenen Sommer aufwies.
In Bezug auf die Südostalpen beflog FB5 vor allem die südlichen Karnischen Alpen des Friauls (Italien) sowie die Julischen Alpen in Slowenien. So wurde FB5 auch im westlichen Teil des Triglav Nationalparks nachgewiesen. Während des Sommers flog FB5 immer wieder in den Hohen Tauern ein. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass FB5 in diesem Sommer häufiger die nördliche Granatspitzgruppe sowie die nördliche Venedigergruppe beflog und sich im Gegensatz zu 2025 seltener im Zentrum des Salzburger Nationalparkteils aufhielt. Während FB5 des Öfteren auch den Osttiroler Nationalparkanteil beflog, stammen nur einzelne Senderdaten aus dem Kärntner Nationalparkanteil.

Abbildung: FB5 Sommer2025 (c) Wildlife Monitor

Abbildung: FB5 Sommer 2026 (c) Wildlife Monitor
Mönchsgeier gehören zu den seltensten Vogelarten, welche die Hohen Tauern befliegen, werden jedoch seit 2013 jeden Sommer im Schutzgebiet nachgewiesen. Im vergangenen Jahr gelang es erstmals, drei Mönchsgeier gemeinsam an einem Ort nachzuweisen. Auch im Sommer 2026 gelang es dem Fotografen Laurenz Krisch drei verschiedene Mönchsgeier im Krumltal (Salzburg) abzulichten. Aufbauend auf den Erfahrungen des Sommers 2025 wurde sich dazu entschieden, neben dem Sammeln von Sichtungsmeldungen auch eine Individualkartei auf Fotobasis anzulegen. Ziel der neuen Bilddatenbank ist die Unterscheidung der Individuen anhand ihrer Gefiedermerkmale (v.a. Mauserlücken). Die Bildauswertung ergab, dass die Hohen Tauern während des Sommers von mindestens fünf verschiedenen Individuen beflogen wurden. Die stellt einen bisherigen Rekord dar! Auch die Herkunft der Vögel könnte teilweise geklärt werden. So handelte es sich bei zwei der fünf Tiere um „Ustrem“ und „Tewes“, welche in den vergangenen Jahren in Bulgarien ausgewildert wurden. Die steigende Zahl der Nachweise verdeutlicht die Bedeutung der Hohen Tauern für Geier-Arten.

Abbildung: Mönchsgeier im Krumltal (C) Lehnert

Abbildung: Mönchsgeier im Seidlwinkltal (c) Nette

Abbildung: Mönchsgeier Tewes (c) Seekirchner
Neben dem Brutgeschehen der Bartgeier werden auch die Brutaktivitäten der Steinadler regelmäßig in den Hohen Tauern untersucht. Die Kontrolle der bekannten Horste ergab, dass im Nationalpark Hohe Tauern insgesamt 14 Jungvögel produziert wurden. Allein im Salzburger Nationalparkteil konnten die Praktikant:innen des Greifvogelmonitorings insgesamt elf Jungvögel bei zehn Brutpaaren nachweisen. Im Osttiroler Nationalparkanteil konnten zwei Jungvögel nachgewiesen werden. Berufsjäger und Nationalparkranger des Kärntner Anteils wiesen einen Jungvogel nach. In weiterer Folge wurden die Horstkarten um neuentdeckte Horststandorte erweitert und aktualisiert. Wie bereits 2025 konnten auch in diesem Jahr wieder Doppelbruten festgestellt werden, wobei zwei Jungvögel von einem Paar aufgezogen wurden. Zudem konnte auch wieder die Nutzung eines Baumhorstes festgestellt werden.
Um das Verhalten der Steinadler besser erforschen zu können, wurden sowohl 2025 als auch 2026 junge Steinadler im Horst besendert bzw. beringt. Nach zwei erfolgreichen Besenderungen im Jahr 2025 gelang es auch 2026, einen jungen Steinadler in den Hohen Tauern zu besendern. Der Jungvogel konnte im Juli im Kals (Osttirol) von einem Team der Konrad Lorenz Forschungsstelle im Horst mit einem Sender ausgestattet werden. Ziel ist es, im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie (Radolfzell, Deutschland) und der schweizerischen Vogelwarte Sempach, das Abwanderungsverhaltens von Steinadlern in den Alpen zu erforschen. Besenderungsversuche in Salzburg und Kärnten scheiterten in diesem Sommer aufgrund des unwegsamen Geländes und der damit verbundenen Unzugänglichkeit der Horste.
Der Kalser Jungvogel ist inzwischen ausgeflogen, hält sich aber wie zu erwarten, größtenteils noch in mehr oder weniger Horstnähe auf. Mittlerweile konnten in diesem Projekt über 120 Jungadler im Alpenbogen besendert werden. Die beiden 2025 im Nationalpark Hohe Tauern besenderten Tiere zeigten bereits ein interessantes Verhalten. Während der Jungvogel aus Kärnten bis dato „nur“ den österreichischen Alpenraum beflog, zeigte das aus dem Osttiroler Defereggental stammende Jungtier auf beeindruckende Weise, wozu Jungadler imstande sind. Hielt sich der Vogel bis Anfang 2026 noch größtenteils im Umkreis des Horstes auf, durchstreifte er danach den Alpenbogen bis nach Frankreich. Derzeit hält er sich nach einem längeren Zwischenstopp in der Schweiz im Europaschutzgebiet Verwall in Vorarlberg auf. Man darf also gespannt sein, wohin es den 2026 besenderten Jungadler in den nächsten Jahren verschlagen wird. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig grenzüberschreitendes Denken und Handeln im Naturschutz ist.

Abbildung links : Symbolbild Steinadler im Flug (c) Leitner / rechts: Besenderung eines jungen Steinadlers durch Team der Konrad Lorenz Forschungsstelle (c) Zeiner
Seeadler (Haliaeetus albicilla) besiedeln in Österreich vor allem die östlichen Bundesländer Niederösterreich und Burgenland. Umso erstaunlicher waren die Nachweise von zwei Seeadlern im Krumltal (Salzburg) im Mai und August.
Im Fall der ersten Sichtung wurde der Seeadler zusammen mit zahlreichen Gänsegeiern sowie einem immaturen Bartgeier an einem Gämsen-Kadaver beobachtet. Dieses Verhalten ist nicht ungewöhnlich, da die Nahrung des Seeadlers auch aus frischem Aas bestehen kann, was auch die Anwesenheit des Vogels teilweise erklären könnte.
Der zweite Seeadler konnte Ende August im Krumltal abgelichtet werden. Da von beiden Tieren Bildnachweise vorliegen, konnte anhand der unterschiedlichen Gefiederausprägung festgestellt werden, dass es sich um zwei verschiedene Individuen handelte.
Seeadler sind keine Hochgebirgsbewohner, weshalb es sich bei dem Tier um wandernde Vögel handeln dürfte. Woher die Seeadler stammen, ist nicht bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der wachsende Seeadler-Bestand in Österreich ein Grund für häufigere Sichtungszahlen sein könnte.

Abbildung: Seeadler im Krumltal (c) Lehnert
Auch 2026 werden im gesamten Alpenraum wieder Bartgeier gezählt!
Vom 10. bis 17. Oktober 2026 sind alle Interessierten herzlich dazu aufgerufen, nach Bartgeiern Ausschau zu halten und ihre Sichtungen an
Am Hauptzähltag (Fokustag), dem 10. Oktober 2026 sollte nach Möglichkeit im Zeitraum zwischen 09:00 bis 15:00 Uhr (mindestens 10:00 bis 14:00 Uhr) ein selbstgewähltes Gebiet in den österreichischen Alpen beobachtet werden.
Gute Chancen auf eine Bartgeier-Sichtung ergeben sich bei trockener Witterung hauptsächlich in den Hohen Tauern sowie in den Ötztaler Alpen und den daran angrenzenden Gebirgsgruppen.
Für die Beobachtung wird empfohlen, Fernglas, Fotoapparat sowie Schreibutensilien dabei zu haben, um mögliche Sichtungen dokumentieren zu können.
Bartgeier-Meldungen sollten nach Möglichkeit folgende Informationen enthalten:
- Datum und Uhrzeit
- Dauer und Ort der Beobachtung
- Flugrichtung
- Gefiederfärbung
- mögliche Flügelmarkierungen
- Fotos oder Videos
Sie haben einen Bartgeier beobachtet? Dann melden Sie diese bitte an das Bartgeier-Team des Nationalparks Hohe Tauern.
Sichtungen können sehr gern an
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